Kniebeugen, Kreuzheben, Ausfallschritte – was früher nach Bodybuilding-Studio roch, gehört heute längst zum klassischen Gym-Workout dazu. Während viele den Effekt auf Figur und Stoffwechsel kennen, zeigt die Forschung, dass ausgerechnet der oft unterschätzte „Leg Day“ dazu beitragen, dass wir mental stärker, klarer und widerstandsfähiger altern.

Starke Beine, starkes Hirn

Eine britische Studie aus 2015 untersuchte mehr als 300 weibliche Zwillinge. Dabei entdeckte das Forscherteam, dass Frauen mit stärkeren Beinen schnitten zehn Jahre später in Gedächtnistests deutlich besser ab. In MRT-Scans zeigte sich bei den Zwillingsteilen mit mehr Beinkraft sogar mehr graue Substanz und eine aktive, widerstandsfähige Hirnstruktur.

Zudem bestätigt eine US-Untersuchung aus 2018 mit über 1.500 älteren Erwachsenen, dass Menschen mit stärkerer Beinkraft in Tests zu Aufmerksamkeit und Problemlösung besser abschneiden. Und Studien zur Gehgeschwindigkeit (einem direkten Indikator für Beinkraft) zeigen: Je langsamer Menschen gehen, desto höher ist das Risiko für Demenz.

Warum gerade Beinmuskeln so mächtig sind

Die Forschung liefert mehrere Gründe, warum kräftige Beine das Gehirn positiv beeinflussen. Ein zentraler Faktor sind die Typ-2-Muskelfasern. Dabei handelt es sich um schnell zuckenden Fasern, die besonders schnell altern. Wer diese trainiert, erzeugt Laktat, welches „als Backup-System fungiert, das dem Gehirn mehr Energie für Denk- und Gedächtnisprozesse zur Verfügung stellt“, erklärt Louisa Nicola, Alzheimer-Spezialistin und Neurophysiologin, gegenüber „Self“. Im Übergang zur Perimenopause werde die Energieproduktion im weiblichen Gehirn ineffizienter – weshalb dieser Effekt für Frauen besonders bedeutsam sei.

Beim Beintraining passiert aber noch mehr: Sobald Muskelfasern arbeiten, schickt der Körper Myokine ins Blut – Botenstoffe, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden und kognitive Prozesse beeinflussen. Unter ihnen befindet sich der bekannte BDNF, ein Protein, das die Bildung neuer Gehirnzellen im Gedächtniszentrum fördert. Dieses kann die altersbedingte Schrumpfung dieser Region und damit das Demenzrisiko verlangsamen.

Krafttraining schützt gleich mehrfach

Das Beintraining verbessert die Durchblutung, reduziert Entzündungen im Körper und erleichtert einen aktiven Lebensstil – alle Faktoren, die das Risiko für Demenz senken und das Gehirn fit halten. Laut Nicola profitieren besonders Frauen davon, denn sie machen rund zwei Drittel der Alzheimer-Fälle aus.

{title && {title} } red, {title && {title} } 05.01.2026, 18:42