Es war Anfang März, als sich Yannick Fraatz über die ersten kleinen Erfolge bei der Physiotherapie gefreut hatte. Jetzt, einen Monat später, „läuft es schon richtig gut“, erzählt der Profi-Handballer mit leuchtenden Augen. Nachdem er sich im letzten November Kreuzband und Außenmeniskus gerissen und einen Bruch im Oberschenkel erlitten hatte, begleitet ihn die WZ seit Anfang Februar auf seinem Weg zurück aufs Spielfeld – und neben Schmerzen, Sorgen und Zweifeln ist dieser Weg geprägt von mindestens ebenso viel Ehrgeiz.

Nachdem er vor einem Monat gerade dazu übergegangen war, aktiv Sportübungen durchzuführen, ist Fraatz kurz darauf schon wieder ins Krafttraining eingestiegen. Neben Übungen wie Kniebeugen und Kreuzheben, beide bereits mit Gewicht, stehen auch Beinbeuger und -strecker wieder auf dem Trainingsplan. Dienstags und donnerstags liegt der Fokus auf dem „Hypertrophie-Training“, bedeutet: Es geht um das Muskelwachstum, um mehr Wiederholungen, die Zunahme von Gewichten. An den anderen Wochentagen geht es um koordinatives Training, um Gleichgewichtsübungen, die Einbeziehung der kleinen Muskelgruppen. „Meinen Oberkörper trainiere ich daneben nach eigenem Plan“, berichtet Fraatz. Alles in allem mache er „sehr gute Fortschritte“, sei aktuell sehr zufrieden mit sich.

Doch egal, wie gut es vorangeht: Der schnelle Fortschritt habe aber etwas Trügerisches an sich. Am Ende spiele es eben nicht die größte Rolle, wie schnell die Genesung voranschreite. Denn nach einem Kreuzbandriss, und das sei die harte Realität, stehe man eben kein halbes Jahr später wieder auf dem Platz. „Da gibt es schon bestimmte Regeln, die bestimmen, wie lange man pausieren muss. Das sind so neun bis 12 Monate, optimal sogar 18 Monate“, erklärt Fraatz. Auch wenn letzteres keine Vorgabe sei, an die sich im Profisport wirklich jemand halte. Trotzdem – fange man zu früh an, sei das Risiko einfach zu groß, dass wieder etwas reiße. „Es ist schön, wenn man schnelle Erfolge macht, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt ist das ein Abwägen von Risiko und Nutzen“, so der Handballer. Aktuell peilt er an, im November, auf jeden Fall aber vor dem Jahreswechsel wieder für den Bergischen HC auf dem Spielfeld zu stehen. Und bis dahin: „Geht es darum, sich auf das zu konzentrieren, was man beeinflussen kann.“ Wozu auch gehöre, sich selbst nicht zu überschätzen, nicht waghalsig zu werden, aber eben auch keine Chance auszulassen, stärker und besser zu werden. An positiven Gedanken festzuhalten, hilft dem Sportler dabei, am Ball zu bleiben: „Nach meinem ersten Kreuzbandriss links ist alles super verheilt, es fühlt sich besser an als zuvor. Warum sollte es jetzt nicht noch einmal genauso laufen?“ Schon jetzt habe er großes Vertrauen in sein Knie – ein gutes Zeichen, immerhin sind noch keine zwölf Wochen seit der zweiten Operation verstrichen.

Ab dem 20. April startet Fraatz in eine sechswöchige Reha in Lemgo. „Das wird ganz schön knackig“, vermutet er mit Blick auf den Zeitplan: Verschiedene Behandlungen, Stromtherapien, Krafttraining und enge Zeitslots erwarten ihn fünf Tage die Woche. „Das ist dann nochmal ein viel intensiverer Fokus als bisher“, sagt er. Und ein weiterer Pluspunkt: „Ich komme einfach mal raus, probiere wieder was Neues aus.“ Mit dem Reha-Start Mitte April beginnt dann auch eine der wichtigsten Phasen in Fraatz Kampf zurück in den Profisport: Ab der zwölften Woche starte man im Regelfall wieder mit isoliertem Krafttraining, was bedeute, noch einmal zusätzlichen, viel stärkeren Fokus auf das verletzte Bein zu legen. „Das könnten gute sechs Wochen werden. So oder so – nach hinten werfen wird es mich nicht.“

Bei den Heimspielen seines Vereins ist er natürlich dabei. Dass er als Zuschauer am Rand sitzt, steht für den verletzten Spieler außer Frage – auch wenn es emotional etwas völlig anderes für ihn sei. „Man erlebt das Spiel schon ganz anders, nimmt Dinge anders wahr“, meint Fraatz. Und feuert seinen Verein, so lange er pausieren muss, eben von hinter der Bank aus an – mit der festen Vornahme, bald selbst wieder mittendrin zu sein, als Spieler auf dem Feld mitzukämpfen.