Servus zusammen,

heute Vormittag haben die OÖN gemeldet, dass sich die Raiffeisenbank Wels und die Raiffeisenbank Gunskirchen offenbar auf eine Fusion zubewegen, Vorstände und Aufsichtsräte einig, Entscheidung soll auf den Generalversammlungen Ende Mai fallen. Zusammen kämen sie auf eine Bilanzsumme von 2,57 Mrd. Euro und wären damit die größte Raiffeisenbank Österreichs. Wels bleibt Namensgeber und Zentrale, Gunskirchen wird große Bankstelle.

Klingt erstmal nach einem stinknormalen regionalen Zusammenschluss. Mir kommt an der Sache aber mehrerlei spanisch vor, und ich frag euch deshalb in die Runde, von Malta aus hab ich offensichtlich kein Ohr am Boden:

„Steigende regulatorische Anforderungen“ ist seit zwanzig Jahren das Universal-Schmiermittel jeder europäischen Bankenfusion. Manchmal stimmt's. Oft ist es das höfliche Tuch, das man über Kapital-, Liquiditäts- oder NPL-Themen einer der beiden Seiten legt.

Die Asymmetrie passt zum Muster einer leisen Rettung. Wels ~2 Mrd. Bilanzsumme, Gunskirchen deutlich kleiner, das ist genau die Form, die ein „Wir lösen das intern, ohne dass es jemand merkt“ historisch annimmt. Welche Seite (falls überhaupt) ein Thema hat, kann ich von außen nicht sagen.

„Alle 16 Filialen bleiben, alle ~200 Mitarbeiter bleiben.“ Das ist auffällig. Synergien im Retail-Banking holt man sich durch das Schließen redundanter Filialen und Konsolidieren von Back-Office. Wenn beides explizit ausgeschlossen wird, ist die Fusion entweder gar nicht über Kosten begründet, oder die Schnitte kommen leise später, sobald das politische Momentum verflogen ist.

Der Artikel widerspricht sich da selbst halb: „Märkte ergänzen sich ideal" (= wenig Überschneidung, wenig zum Streichen) passt schlecht zur Effizienzlogik, die eine Fusion sonst trägt. Zumal Gunskirchen ~8 km von Wels entfernt mitten im Speckgürtel liegt. „Alle 16 Filialen bleiben" und „Märkte ergänzen sich ideal" können in der Konstellation eigentlich nicht gleichzeitig stimmen.

Der Satz „die große Zahl an Kommerzkunden benötigt größere Banken für Finanzierungen“ lässt sich wohlwollend lesen (wir wollen größere Tickets fahren) oder weniger wohlwollend (bestehende Commercial-Exposures sind relativ zur Eigenkapitalbasis gewachsen, man braucht eine breitere Bilanz, um sie weiter zu rollen). Der Raiffeisen-Sektor verdaut seit zwei Jahren das Signa/Benko-Nachspiel, und auch oberösterreichische Raiffeisenbanken waren nicht komplett isoliert vom Ökosystem rundherum. Reine Spekulation, aber eben deshalb frage ich.

Choreografie: Vorstände und Aufsichtsräte einig, Leak über „informierte Kreise“ an die OÖN, offizielle Stellungnahme noch ausständig, Generalversammlungen Ende Mai als ratifizierender Schritt. In der Genossenschaft sind formal die Mitglieder Eigentümer; faktisch ist die GV bei dem Stand der Dinge eine Formalität.

Nichts davon ist Beweis, dass irgendwas faul ist. Es ist nur so, dass die Sprachregelung der Ankündigung, die weiche regulatorische Begründung, die unplausibel schmerzlose Integration, der Leak-vor-Statement, die Größe-als-Tugend-Erzählung, exakt jene ist, mit der man historisch unangenehmere Wahrheiten gepolstert hat. Mein Bauch zwickt.

Hat jemand von euch in OÖ Insights, Gerüchte, Kaffeehaus-Gerede? Mitarbeiter:innen, Kund:innen, Journalist:innen, WPs, sonstige Leute mit Ohr am Boden? Auch vage Andeutungen mit allem nötigen „natürlich nur Hörensagen“ willkommen, DMs gehen auch.

Danke!




VeterinarianProof927

5 comments
  1. Raika Wien-Nö ist bedeutend größer, nur wegen der Behauptung, dass in Wels die größte entstehen würde.

    Effizienzen erzeugt man im Bankwesen nie kurzfristig sondern immer langfristig. In dem Systeme zusamengelegt werden, Verträge mit Dienstleistern nur einmal abgeschlossen werden und man günstigere Staffelpreise bekommt, das Compliance Office zusammengelegt etc.

    Also die Fusionierung der Raikas wird weitergehen und das ist auch sinnvoll. Diese Regionalbanken funktionieren im heutigen Finanzmarkt einfach nicht

  2. Sobald die Raika beteiligt ist, ist was faul.

    Also: checks out.

  3. schon seit Langem weiß man, dass mit der Raika oft etwas faul ist

  4. Alle angeführten Gründe sind wahr. Regulatorien und Anforderungen an die Banken haben sich die letzten Jahre extrem gesteigert.
    Gunskirchen ist eigentlich ein kleiner Ort, hat aber große Unternehmen dort und wächst immer weiter mit Wels zusammen oder Wels in Gunskirchen rein.

    Natürlich werden mittelfristig Mitarbeiter und Filialen (bzw. Öffnungszeiten dieser) abgebaut.
    War bis jetzt bei jeder Zusammenlegung im Sektor so. Und von denen gab es in den letzten zwei Jahrzehnten viele.

    Alles Gründe warum eine Fusion Sinn macht. Dein Gegenargument ist ein Gefühl … naja.

  5. Wie so viele kleine Raikas am Land ein NPL-Problem mit Wiener Immobilienentwicklungsprojektgesellschaften…

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