
Heute vor 81 Jahren, am 8. Mai 1945, kapitulierte die deutsche Wehrmacht bedingungslos. Der Zweite Weltkrieg in Europa war vorbei.
Für Frankreich ist dieser Tag ein staatlicher Feiertag. Für Deutschland und Österreich ist die Bezeichnung "Tag der Befreiung" komplizierter – denn die Mehrheit der Deutschen und Österreicher wollte nicht befreit werden. Sie hatten mitgemacht, mitgejubelt, mitgeschwiegen. Für die Täter war es ein Tag der Niederlage. Die Bildungsstätte Anne Frank schreibt dazu:
Sie waren besiegt, vielleicht beschämt, aber wohl kaum befreit.
Ein Tag der Befreiung war er für die Juden, die Sinti und Roma, die Deserteure, die Widerstandskämpfer. Für all jene, die den Nazis lange genug entkommen waren, um diesen Tag noch zu erleben. Der jüdische Widerstandskämpfer Peter Gingold hielt fest:
Für alle Ewigkeit muss im Gedächtnis der Menschheit verankert bleiben; dieses Morgenrot der Menschheit, dieser Jubel, der ganz Europa, ja die ganze Welt erfasste, aber auch, dass es ihn in Deutschland nicht gab.
Es war auch ein Freudentag für die Alliierten Soldat:innen – 14 bis 17 Millionen von ihnen hatten ihr Leben gelassen. Der Großteil, rund 9 bis 11,5 Millionen, waren Soldat:innen der Roten Armee, darunter viele Ukrainer:innen. Auch in der Ukraine ist der 8. Mai ein Feiertag (während in Russland am 9. Mai gefeiert wird).
Ja, es gab auch auf alliierter Seite Verbrechen – Vergewaltigungen, Plünderungen, Willkür. Aber: Wer diese Verbrechen aufzählt, um den 8. Mai zu relativieren, stellt Befreier und Vernichter auf eine Stufe. Das ist nicht "differenziert", das ist Verharmlosung des Nationalsozialismus.
Der 8. Mai bleibt ein Freudentag für die menschliche Zivilisation. Ewiger Dank den Alliierten.
Zur Einstimmung in den Tag der Freude:
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Fancy-Elk-9534
4 comments
Der heutige Tag sollte eigentlich ein Nationalfeiertag sein. Würde jedenfalls mehr Sinn machen als der 26. Oktober.
Ich weiß ja, dass ihr Ösis uns (warum auch immer) verabscheut, aber zu behaupten, dass sich kein Deutscher über das Ende des Krieges gefreut hat, das ist widerlich.
To be fair: Es feiert sich schwer, wenn deine halbe Familie unter Trümmern begraben liegt, dein Land von ausländischen Soldaten besetzt ist und russische Soldaten vergewaltigen und stehlen wie sie lustig sind.
>denn die Mehrheit der Deutschen und Österreicher wollte nicht befreit werden. Sie hatten mitgemacht, mitgejubelt, mitgeschwiegen
Ja. Daran gibts nichts abzustreiten. Es gibt freilich zu ergänzen, 12 Jahre Diktatur mit einer extrem repressiven Gleichschaltung bis in die kleinste Zelle, Stichwort Blockwart, die jede Form der Opposition lebensgefährlich gemacht hat, haben den Menschen buchstäblich nicht die Wahl gelassen, irgendwas anderes zu tun als mitzumachen, mitzujubeln, mitzuschweigen, zumindest “offiziell” vor anderen.
Also bitte schon zu unterscheiden, dass eine Mehrheit nicht alle sind bzw. waren. Für die Nicht-Mehrheit _war_ es eine Befreiung aus einem 12-jährigen Albtraum.